Sloboda zvierat: Drei Jahrzehnte Arbeit, die den Tierschutz in der Slowakei verändert hat
Sloboda zvierat ist heute eine der bekanntesten gemeinnützigen Organisationen in der Slowakei. Ihren Namen kennen Menschen aller Generationen – von denen, die sich an ihre Anfänge in den 90er‑Jahren erinnern, bis hin zu jungen Freiwilligen, die heute zum Gassigehen mit den Hunden im Tierheim nach Polianky kommen. Für viele, mich eingeschlossen, ist Sloboda zvierat ein Symbol des ersten Bewusstwerdens, dass Tiere Schutz, ein System und Menschen brauchen, die für sie einstehen.
Die Entstehung der Organisation: als Begeisterung die Infrastruktur ersetzte
Sloboda zvierat wurde im Jahr 1992 gegründet – in einer Zeit, in der die Slowakei tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen durchlief. Der Tierschutz stand damals am Rand des Interesses, die Gesetzgebung war veraltet und Tierheime funktionierten eher als provisorische Räume ohne klare Standards.
In den ersten Jahren arbeiteten sie buchstäblich „aus dem Stegreif“. Tiere wurden von Straßen, Höfen und Kellern gerettet, viele nahmen sie vorübergehend bei sich zu Hause auf. Es gab keine Förderungen, keine 2 % aus Steuern, keine Firmenpartner. Es gab nur den Willen und die Überzeugung, dass Tiere mehr verdienen.


Der Aufbau des Systems: von den ersten Adoptionen bis zu Gesetzesänderungen
In den 90er‑Jahren führte Sloboda zvierat nach und nach das ein, was wir heute als Standard betrachten:
- die ersten organisierten Adoptionen,
- die ersten Kastrationsprogramme,
- die ersten Kampagnen gegen Vermehrerbetriebe,
- die ersten öffentlichen Sammlungen zur Unterstützung von Tieren,
- die ersten Fälle der Beschlagnahmung misshandelter Tiere.
Die Organisation wurde zur Stimme der Tiere – in den Medien wie auch im Parlament. Sie trug maßgeblich zur Verabschiedung des Tierschutzgesetzes bei, das die Haltungsbedingungen und Strafen für Tierquälerei schrittweise verschärfte.
Das Tierheim Sloboda Zvierat in Polianky: ein Meilenstein, der alles veränderte
Im Jahr 1995 eröffnete Sloboda zvierat das Tierheim in der Polianky 17 in Bratislava. Es war ein bahnbrechender Moment – das erste moderne Tierheim seiner Art in der Slowakei.
Es wurde nach und nach erweitert, modernisiert und gehört heute zu den bestausgestatteten Einrichtungen des Landes. Seine Lage im Bratislavaer Bezirk, der wohlhabendsten Region der Slowakei, spielte eine wichtige Rolle bei seiner Entwicklung:
- höherer Lebensstandard,
- größere Konzentration von Unternehmen,
- starke Gemeinschaft von Spendern,
- hohe Besucherzahlen von Freiwilligen.
All dies ermöglichte es, dass das Tierheim schneller wuchs als andere Einrichtungen im Land.
Statistiken, die das Ausmaß der Arbeit zeigen
Laut den Jahresberichten von Sloboda zvierat (Durchschnitt der letzten Jahre):
- 2 500 Tiere pro Jahr passieren das Tierheim,
- 2 000 Tiere pro Jahr finden ein neues Zuhause,
- 1 000+ Einsätze im Gelände werden jährlich von Mitarbeitenden und Freiwilligen durchgeführt,
- Dutzende beschlagnahmte Tiere jährlich in Zusammenarbeit mit der Polizei,
- Hunderte Kastrationen jährlich im Rahmen von Programmen zur Reduzierung der Population streunender Tiere.
In mehr als drei Jahrzehnten seines Bestehens hat die Organisation Zehntausende Tiere gerettet.
Finanzierung: wie die größte Organisation ihrer Art funktioniert
Sloboda zvierat verfügt über ein stabiles und transparentes Finanzierungsmodell, das auf mehreren Säulen basiert:
1. 2 % der Einkommensteuer
Sie bringen der Organisation jährlich Hunderttausende Euro. Dies ist eine der wichtigsten Einnahmequellen, die langfristige Planung ermöglicht.
2. Spenden aus der Öffentlichkeit
Sloboda zvierat hat eine der größten Spendergemeinschaften in der Slowakei. Regelmäßige Spenden machen 20–30 % des Budgets aus.
3. Unternehmenspartner
Vor allem aus dem Bratislavaer Bezirk – IT‑Firmen, Banken und Konzerne, die Projekte, Adoptionen oder Renovierungen unterstützen.
4. Fördermittel und Projekte
Aus EU‑Fonds, Stiftungen und internationalen Organisationen.
5. Zusammenarbeit mit Städten und Polizei
Die Organisation stellt Tierfang, Quarantäne, Gutachten und Unterstützung bei der Beschlagnahmung misshandelter Tiere sicher.
6. Adoptionsgebühren und Dienstleistungen
Ein kleiner, aber stabiler Teil der Einnahmen.
Persönlichkeiten, die Sloboda zvierat geprägt haben
Sloboda zvierat ist heute die bekannteste Tierschutzorganisation in der Slowakei.
Hinter ihrem Erfolg stehen Persönlichkeiten, die die Organisation von ihren Anfängen bis zur heutigen Form eines modernen Tierheims mit Tausenden geretteten Tieren geprägt haben.
Pavla Dugovičová – langjährige Vorsitzende und das Gesicht von Sloboda zvierat
Pavla Dugovičová ist eine der prägendsten Persönlichkeiten in der Geschichte von Sloboda zvierat.
Sie ist seit den 90er‑Jahren in der Organisation tätig und ihr Name ist eng mit der Entwicklung des Tierheims Sloboda zvierat pod Brehmi, Karlova Ves verbunden, das viele Menschen auch als Tierheim Sloboda zvierat Bratislava kennen.
Unter ihrer Leitung entstanden:
- moderne Adoptionsprozesse,
- ein System von Ausweisen für freiwillige Gassigeher,
- professionelle Öffentlichkeitsarbeit,
- regelmäßige Jahresberichte und transparente Finanzierung,
- Zusammenarbeit mit der Polizei bei der Meldung von Tierquälerei.
Ladislav Ďurkovič – Aktivist aus Košice, der die öffentliche Diskussion prägte
Ladislav Ďurkovič stammt aus Košice – was für mich persönlich eine schöne Verbindung ist, da ich ebenfalls aus Košice komme und mich aus meiner Teenagerzeit an ihn erinnere als einen der ersten Menschen, die in der Slowakei öffentlich Vegetarismus propagierten. Er war der Hauptgründer und der erste langjährige Vorsitzende der Organisation. Sloboda zvierat gründete er im August 1992 ursprünglich in Košice. Später verlagerte er die Aktivitäten nach Bratislava, wo er 1995 das erste professionelle Tierheim der Slowakei errichtete. Er stand der Organisation bis 2003 vor.
In Sloboda zvierat wirkte er in einer Zeit, in der die Organisation wuchs und mediale Aufmerksamkeit gewann.
Er brachte:
- Erfahrungen aus Bürgerkampagnen (z. B. OK ’98),
- die Fähigkeit, mit Öffentlichkeit und Medien zu arbeiten,
- Unterstützung für Feldarbeit und Rettungseinsätze,
- Betonung bürgerschaftlichen Engagements.
Wie das Tierheim von Sloboda zvierat heute aussieht: ein professionelles Zentrum, nicht „nur“ ein Tierheim
Das Tierheim in Polianky ist heute eine moderne Einrichtung. Besucher finden hier:
- Eine Rezeption, an der Gassigeher, Adoptionen und Besuche registriert werden. Gassigeher müssen einen Gassigeher‑Ausweis besitzen, was die Sicherheit erhöht.
- Eine weitläufige Grünanlage mit gepflegtem Rasen.
- Ein Hundebecken, das im Sommer unschätzbar ist.
- Ein Agility‑Platz zur Sozialisierung und zum Training.
- Veterinärbereiche, Quarantäne und spezialisierte Ausläufe.
- Getrennte Räume für Welpen, ältere Hunde, Katzen oder Tiere nach Eingriffen.
Am Wochenende besuchen das Tierheim Dutzende bis Hunderte Menschen – Familien, Paare, Studierende, Senioren. Das Interesse am Gassigehen ist so groß, dass sich oft Schlangen bilden.
Meine Rückkehr im Mai: von der Mlynská dolina bis nach Polianky
In diesem Mai kehrte ich nach längerer Zeit in die Mlynská dolina zurück, wo ich während meines Studiums fünf Jahre in den Studentenwohnheimen gelebt hatte. Das Slávičie‑Tal stand in voller Blüte. Und plötzlich stand ich an einem Ort, an dem alle Erinnerungen zurückkamen – an Freiheit, Unbeschwertheit, an das Gefühl, dass die Welt offen ist und alles möglich scheint. Nach einem halbstündigen Spaziergang durch den Wald betrat ich das Tierheim von Sloboda zvierat.
Gassigehen: ein schöner Hund, eine schwere Geschichte
Nach etwa zwanzig Minuten bekam ich einen Hund zugeteilt. Er war groß und wunderschön, aber man sah ihm an, dass er eine schwere Zeit hinter sich hatte. Am Hals hatte er einen rasierten Streifen nach einer Verletzung. Ich nahm ihn mit in den Wald. Und dort stellte ich fest, dass er stark aggressiv gegenüber anderen Hunden war. Er riss sich los, bellte, und es war schwer, ihn zu halten. Mehrmals sprang er auf mich – und ehrlich gesagt fühlte ich mich nicht sicher.
Ich verbrachte eine Stunde mit ihm, wich Menschen und Tieren aus, damit wir es beide schaffen. Nach der Rückkehr informierte ich die Pflegerin, dass der Hund sehr konfliktfreudig war. Sie nickte nur: „Ja, wir wissen davon.“
Und hier kommt mein konstruktives Feedback: Freiwillige sollten im Voraus auf risikoreiches Verhalten von Hunden hingewiesen werden. Nicht jeder hat die Erfahrung oder die körperliche Kraft, einen traumatisierten Hund zu bewältigen.
Fazit: Respekt, Fakten und Rückmeldung
Sloboda zvierat ist eine außergewöhnliche Organisation, die:
- seit mehr als 30 Jahren besteht,
- Zehntausende Tiere gerettet hat,
- das größte Tierheim der Slowakei aufgebaut hat,
- den Tierschutz professionalisiert hat,
- mit Polizei, Städten und Fachleuten zusammenarbeitet,
- und dank Spendern bis heute stabil besteht.
Sloboda zvierat ist ein Symbol dafür, dass selbst in einem kleinen Land eine Organisation entstehen kann, die Jahrzehnte überdauert, Gesetze verändert, Tausende Leben rettet und eine Gemeinschaft schafft, die an das Gute glaubt.
Und für mich persönlich ist es ein Ort, an dem sich Vergangenheit und Gegenwart verbinden. Ein Ort, an dem ich einst zu glauben begann, dass Tiere ein Recht auf ein würdiges Leben haben. Und ein Ort, an den ich mich immer gerne zurückkehre.
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